Physik ist etwas Rationales. Naturwissenschaft halt. Gefühle und Emotionen spielen dabei nur insofern eine Rolle, dass man auch für alltägliche Phänomene wissenschaftliche Erklärungen finden kann. Etwa, warum eine Tür im Wind aufreißt oder zufällt. In Hessen kennt die Jahrgangsstufe neun eigentlich KEIN Physik. In Oberurff schon.

Klasse 9e: Wirkung von Farben im Selbstversuch. (*)

Zur Sicherstellung einer konsistenten Kompetenzvermittlung hat der Fachbereich schon vor Jahren ein durchgängiges Unterrichtsangebot beschlossen. Dazu zählt im Gymnasium das Thema FARBEN. Am Ende sollten Schüler eine konkrete Vorstellung haben, wie etwa Sehen funktioniert, und der Farbdruck und das Farbfernsehen. Farben sind aber auch etwas höchst Emotionales. Das wollte die Klasse 9e in einem SELBST­VERSUCH testen: Die Mädchen wurden für einen Tag zu „Ganz in Weiß….“, die Jungen zu „Men in black“.

Auf in den Kampf: Wirkung von Farben im Selbstversuch

Von Jana Hommel (Klasse Gym-9e)

Ganz in weiß… (*)

Am 22. Mai hieß es für uns, die Klasse 9e, auf in den Kampf. Im Rahmen des Physikunterrichts führten wir ein kleines Projekt durch, bei dem sich alle Jungen schwarz, und die Mädchen weiß anziehen sollten. Der Zweck: Wirkung von Farben selbst erleben. Erste Hürde: Das Finden einer Farbe, die ALLE für einen Tage tragen können. Die Teilung schwarz/weiß zwischen Jungen und Mädchen war schließlich der Kompromiss. Bei uns fingen die Probleme natürlich mit der Frage an: habe ich überhaupt ein komplett weißes oder schwarzes Outfit? Kaum stand diese Frage im Raum, fingen schon die nächsten an: machen denn wirklich alle mit? Diese Frage stand uns bis Dienstagmorgen offen, aber die Freude war groß, als eine komplett schwarz-weiße Gruppe vor der Cafeteria stand.

Klischee zu weiß

Roy Black, mit seinem 60er Jahre Schnulzen-Hit

Zunächst fühlten wir uns alle etwas unwohl, denn alle Blicke waren nur auf uns gerichtet. Auch kamen Sprüche wie: „Guck mal da, wie uncool sind die denn!?“ oder „Das geht ja gar nicht!“ Andererseits fanden es die ‚Kleinen‘ aber auch toll, denn manche sagten: „wie schön, die tragen ja alle weiß“. Manche sagten auch: „gehen die auf die Just-White-Party?“ Wir Mädchen wurden von vielen mit einer Hochzeit verbunden, was wahrscheinlich auch unter anderem durch die schönen Kleider mancher von uns hervorgerufen wurde. Die Jungen wurden dagegen eher mit einer Trauergesellschaft verglichen und sie fielen auch nicht so viel auf wie wir Mädchen, denn Schwarz wird öfter im Alltag getragen als einfach nur Weiß.

Men in black. (*)

Einer unserer Schüler wurde ständig durch seine Kleiderkombination geärgert, aber für uns war das kein Problem. Wir ignorierten diese unangemessenen Sprüche einfach. Ein Lehrer sprach uns an mit den Worten: „Eben ist mir schon eine Menge Jungen entgegengekommen, ich glaube die wollten auf eine Beerdigung und ihr, wollt ihr zu einer Hochzeit?“ Alleine hat man sich dann schon eher als Mittelpunkt gefühlt, denn alle starrten nur dich an und das war einfach unangenehm und sehr durchlöchernd. Niemand guckte nicht und man wusste, dass alle über dich reden. Man hat sich gefühlt wie vorgeführt.

Just white… Fotos: privat

In der Gruppe hingegen war das ganz anders: man hat sich sogleich gefühlt wie noch nie zuvor. So in der Gruppe wurde man zwar noch mehr angeguckt, aber man war stolz darauf zu DIESER Klasse gehören zu dürfen. Für uns hat das Projekt nur Positives gebracht, denn es hat uns als Klasse noch viel näher zueinander geführt. Am Anfang wollten viele von uns nicht mitmachen, doch im Nachhinein wäre es für uns alle kein Problem dieses Gefühl nochmal zu wiederholen. Eine aufregende und wirklich schöne Erfahrung für uns. Ach so, Farben wirken tatsächlich.

(*) Bild/Teaser: Andreas Bubrowski