Politik & Gesellschaft, Schule

Luther und Hambi: Reformationsgottesdienst der Jahrgangsstufe 12

Geschafft: Die Schüler freuen sich über das Apfelbäumchen als Symbol gegen Sinn- und Hoffnungslosigkeit. Foto: DREMO

Unser Leben ist keine Geschäftsidee: Unter diesem Motto gestaltete der LK Religion der Jahrgangsstufe 12 zusammen mit Pfarrerin Monika Dieling einen Gottesdienst zum Reformationstag am 31. Oktober.

„Sympathisanten der Baumbesetzer“

Thematisch ging es um die geplante Rodung des Hambacher Forstes durch den Energiekonzern RWE, der im offenen Tagebau Braunkohle abbauen will, um nach eigenen Angaben den Industriestandort Nordrhein-Westfalen wettbewerbsfähig und verlässlich mit Energie zu versorgen. Seit sechs Jahren kämpfen Umweltschützer dafür, den Wald als Lebensraum für Mensch und Tier zu schützen und ein Zeichen gegen Ungerechtigkeit zu setzen.

„Wir wollen aufsteh‘n“: Gesungener Aufruf zum zivilen Ungehorsam. Foto: DREMO

Dazu kommt ihr Kampf gegen die bevorstehende Klimakatastrophe, die unter anderem Menschen zwingt, aus ihren Heimatländern zu flüchten. Die Mädchen des LK gaben sich schon durch ihr fantasievolles Outfit – gehäkelte Mützen, Ringelsocken und Hippie-Klamotten wie aus den 1970-ern – als Sympathisanten der Baumbesetzer zu erkennen und standen damit im Gegensatz zur toughen Pressesprecherin der RWE, die die Argumente des Energieunternehmens darlegte, bei den Protestlern aber kaum punkten konnte.

„Unser Leben ist keine Geschäftsidee“: Die Schülerinnen protestieren gegen die Zerstörung des Hambacher Forstes. Foto: DREMO

In einer weiteren Szene zeigten zwei Schülerinnen Parallelen zwischen Luthers Thesenanschlag in Wittenberg und dem Protest im Hambacher Forst auf. Der Aufruf zum zivilen Ungehorsam liege nahe, erklärten sie, denn die Umweltbelastung durch Abbau und Verbrennung der Kohle beträfe schließlich alle Menschen. Protest und ziviler Ungehorsam gegen die Mächtigen seien zwar anstrengend und erforderten viel Mut, doch auch hier helfe Martin Luther weiter. Denn wenn Worte allein nichts mehr nützten, könne man als Zeichen gegen Hoffnungslosigkeit wenigstens ein Apfelbäumchen pflanzen. Genau das taten sie: Nach dem Gottesdienst marschierten alle Teilnehmer zur vorgesehenen Stelle hinter P5 und versenkten die Wurzeln von „Hambi“ im vorbereiteten Loch.

Bei der Arbeit: Das Bäumchen wird eingepflanzt. Foto: DREMO

Und wenn in ein paar Jahren die roten Gravensteiner Äpfel zum Pflücken einladen, erinnert sich sicherlich noch der ein oder andere an die Situation, der sie ihre Existenz verdanken. „Das war der beste Gottesdienst, den ich je mitgemacht habe“, sagte ein Schüler zum Schluss. Da lässt sich nur hinzufügen: Zweck erfüllt, Ziel erreicht. MARISE MONIAC

(Gestaltung: BUB)

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