MAYA PHILIPPI

Besuch der Gedenkstätte Buchenwald, die Autorin 2. v. l. Foto: K. v. Urff/CJD Oberurff

„Jedem das Seine.“ Also: Jeder bekommt, was er verdient. Grundsatz im antiken Griechenland. Von den Nationalsozialisten als Hohn gegenüber Eingesperrten missbraucht. Dieser Spruch ‚ziert‘ das Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald. Besonders ist, dass die Worte nicht nach außen, nicht zur Bevölkerung, gerichtet sind wie „Arbeit macht frei“ in den anderen NS-Lagern wie Auschwitz oder Dachau. Nein, hier sind die Worte nach innen, den Inhaftierten, zugerichtet. Verhöhnt und verspottet mussten sie sich gefühlt haben, wenn sie jeden Tag diesen Satz lesen mussten.

Jeder suchte die Flucht ins Warme

Auch wir haben die Worte während unserer Exkursion zur NS-Gedenkstätte Buchenwald am 22. Februar 2018 gelesen. Zuvor schon im Geschichtsunterricht behandelt, sollte dieses sensible Thema in den Resten des Konzentrationslagers auf dem Ettersberg nahe Weimar nochmal vertieft werden. Deshalb machten wir, die Klassen 10a und 10i, uns um viertel nach acht mit dem Bus auf den Weg. Zweieinhalb Stunden sollte die Fahrt dauern. Wir kamen, perfekt für den ersten Programmpunkt des Tages, um elf Uhr an. Wir schauten einen halbstündigen Film zur Einführung über Buchenwald. Es wurde von der Inbetriebnahme bis hin zur Befreiung durch US-Soldaten 1945 berichtet.

Nach der Mittagspause begannen unsere Führungen um 13 Uhr und sollten ca. 90 Minuten dauern. Hierbei teilten sich die zwei Klassen auf. Die 10a wurde begleitet von ihrer Geschichtslehrerin Frau von Urff, wir, die 10i wurde begleitet von Herrn Schneider, der spontan für Herrn Feußner eingesprungen war. An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön! Wir starteten die Führung bei den Quartieren der SS-Soldaten, liefen über den sog. Carachoweg, den die Inhaftierten beim Ankommen entlanggehen mussten, bis hin zum Haupttor. Dort betraten wir den Bereich der Häftlinge. Wir standen auf dem Appellplatz, erschüttert, bei welcher Kälte die Insassen dort – ohne Winterkleidung wie wir – antreten mussten. Der Zaun, der damals alles umspannte, war mit einer tödlichen Menge Strom versehen. Doch die Menschen kamen meist gar nicht bis zum Zaun. Sobald sie sich ihm näherten, wurden sie von Soldaten erschossen.

Während der 90-minütigen Führung. Foto: K. v. Urff/CJD Oberurff

Später betraten wir das „Krematorium“. Wir sahen die großen Öfen, in denen die Toten verbrannt wurden und die „Pathologie“, wo den Häftlingen Organe entnommen wurden, um sie Medizinern zu verkaufen. Zuletzt betraten wir die Genickschussanlage, die ursprünglich in den ehemaligen Pferdeställen stand und, wie der Name schon sagt, dazu diente, 8000 sowjetische Kriegsgefangene mit einem Schuss ins Genick zu töten. Dabei wurde ihnen vorgespielt, sie würden nur eine harmlose Arztuntersuchung mitmachen! Danach endete die Führung und wir hatten noch ca. eine Stunde Zeit, um das Gelände auf eigene Faust zu erkunden. Nach einer gewissen Zeit suchte doch jeder die Flucht ins Warme.

Hier ein gut gemeinter Tipp an diejenigen, die die Exkursion noch vor sich haben: Zieht euch wirklich warm an!!! Und das nicht nur im übertragenden Sinne. Etwas Warmes zu trinken, ist definitiv auch keine schlechte Idee! Wir waren froh, als wir im warmen Bus auf dem Weg zurück saßen! Meiner Meinung nach hat sich die Exkursion wirklich gelohnt. Die Führung war sehr interessant und mit diesem wirklich nicht leichten Teil der deutschen Geschichte wurde respektvoll umgegangen. Ich denke, so wurde uns das Thema nochmal deutlicher gemacht.

(Gestaltung: BUB)