FANTASY-SERIE VON JEANNINE GILL, 7E, ONLINEREDAKTION

Installation in der Nähe des Hoffnungsfelsens. Foto: Jeannine Gill/CJD Oberurff

Es waren zwei junge Mädchen. Sie trafen sich, wie schon so oft, nachmittags im Park zum Eis essen, zum Quatschen und um zusammen Musik zu hören, während sie durch den großen Park laufen. Ein schöner Tag war geplant und sie liefen entspannt zusammen durch das Teichgelände des Parkes bis sie an den Anfang eines Waldweges gelangten. Sie waren dort früher schon einige Male zum Spazierengehen. Es war wie sonst auch immer, nur dass jetzt am Rand ein neues Schild mit der Aufschrift ‚Hoffnungsfelsen‘ stand.

Am Hoffnungsfelsen: Püppchen ähneln Voodoo-Puppen

Ein schwarzgekleideter Jogger tauchte plötzliche von hinten auf. Er flüsterte den Beiden im Vobreirennen zu, dass sie sich davon fernhalten sollten. Aber da die zwei Mädchen sehr neugierig waren und sich trotz der deutlichen Warnung nichts Böses dabei dachten, gingen sie los und suchten den sogenannten ‚Hoffnungsfelsen‘. Sie mussten nicht lange durch den Wald laufen, bis sie ein weiteres Schild entdeckten, auf dem eine Erläuterung des Hoffnungsfelsens stand, von dem sie aber nur einen Bruchteil verstanden. Es hieß dort, dass dieser Felsen dafür da wäre, sich auf eine daran hängende Schaukel zu setzen, auf der man seine kompletten Sorgen los werden kann und sich auch dort neue Hoffnungen, wie der Name des Felsens es schon sagt, holen darf.

Beide Mädchen starrten neben das große Schild, wo ein schmaler, steiler Pfad herunter zu dem Felsen führte. Sie stiegen also herunter und bemerkten zuallererst die Schaukel, welche aus einem alten Netz, das einem Fischernetz ähnelte, und einer festen Halterung, die an einen dickeren Ast angebracht worden ist, bestand. Sie betrachteten sie ein paar Minuten, aber entschieden sich dann doch, sich nicht darauf zu setzen. Das eine Mädchen ging auf ein paar Schritte Abstand zu der Schaukel und stolperte dabei über ein paar kleine Fliesenstücke, auf denen ein paar Nachrichten, welche Touristen von vor ein paar Jahren hinterließen, standen: „Ich wünsche dir viel Glück, Liebe und Freude.“ oder „Ich wünsche dir viele Freunde und Erfolg. 2017“. Diese kleinen Nachrichten empfanden sie als sehr süß und sie hatten plötzlich ein schönes Gefühl an diesem Ort zu sein, bis zu dem Moment, wo sie sich umdrehten und an einer großen Eiche ein kleines Schild, worein ein Speer und ein Schild geritzt waren, entdeckten.

Herrlich gruselig: Voodoo-Legenden faszinieren


Santigold – Disparate Youth (Official Music Video)1

Darunter hingen kleine Knochen, die mit einzelnen Wollfäden aufgehangen worden sind2. Sie versuchten diesen Anblick wieder zu vergessen, allerdings ging ihnen dies nicht mehr aus dem Kopf. Sie blickten sich noch ein weiteres Mal um, in der Hoffnung noch etwas Mysteriöses zu finden und tatsächlich bemerkten sie, dass um den großen Felsen drei breitere Bäume im Dreieck standen, an denen in jeweils verschiedenen Farben mehrere kleine Puppen aus Stoff hingen. An dem einen hingen solche in gelb, an dem anderen in weiß und am dritten hingen welche in einem hellen rot. In der Mitte dieses „Dreiecks“ befand sich der Felsen. Die Mädchen betrachteten die kleinen Püppchen noch genauer und stellten fest, dass deise sogenannten Voodoo-Puppen ähnelten. Diese Erkenntnis war zuallererst sehr schwer zu verdauen, allerdings erschrak es sie noch mehr, als die Beiden eine kleine Schachtel zwischen den Felsenspaltungen fanden, in der sechs ältere Versionen dieser Puppen an denen jeweils Namenszettel hingen, zu finden waren.

„Das sind jetzt nicht wirklich gebrauchte Voodoo-Puppen und die Namen der jeweiligen Opfer oder?“
„Ich will hier weg, das wird mir zu viel.“

Voodoo-Schaukel? Ach was! Foto: Jeannine Gill/CJD Oberurff

Die Mädchen ließen alles liegen und machten sich so schnell wie sie konnten auf den Weg zurück und aus dem Wald heraus. Allerdings bemerkten sie dabei zu ihrem Entsetzen einen Trupp schwarzgekleideter Personen, die auf dem Weg zu dem Felsen waren. Sie bekamen jetzt hektische Angst und versteckten sich hinter dem Felsen.

Die Truppe ging auf die Schaukel zu. Die Gestalten setzten sich hintereinander darauf, offenbar „um ihre Sorgen abzulassen“. „Meine kleine Schwester ist krank, ich hoffe sie kommt demnächst wieder auf den Weg der Besserung“, „die Mutter meines besten Freundes verstarb vor zwei Tagen, ich hoffe seine Familie und besonders er können dies verkraften“, „ich, als Leiter dieser Truppe möchte keine kleinen Spione, die meiner Truppe heimlich hinterher schauen und ich hoffe, dass diese kleinen Gören jetzt hervortreten und uns erklären, was sie hier machen.“ Diese Worte ließen die Mädchen erstarren.

Sie standen also notgedrungen auf, traten hervor und starrten die Gruppe an. Voller Angstschweiß und mit bleichen Gesichtern fingen sie an, mit zittriger Stimme ihre Lage zu erläutern:

Wir … sind … wir haben dieses Schild gesehen und wollten … wollten wissen, was das hier … ist? Also … wir dachten das hier ist … öffentlich?

Der sogenannte Leiter der Truppe starrte sie verwundert an und meinte: „Dieser Platz ist allerdings nicht für kleine, noch zu junge Gören wie euch gemacht.“ Er schnipste mit seinen Fingern und die Mädchen spürten einen harten Schlag auf dem Hinterkopf, woraufhin sie ohnmächtig wurden … Ungefähr 20 Stunden nach diesem Vorfall erstatteten die Eltern der Mädchen jeweils eine Vermisstenanzeige:

Am Freitag, den 13.09.2019 verbrachten Maria Schläfer und Jasmin Fischer einen Tag zusammen in Bad Brathausen. Beide hatten die Verabredung um 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr, kamen allerdings am Tag nicht mehr nach Hause. Sie wurden nach Zeugenaussage zuletzt um 16.45 Uhr am Waldrand beim Kurpark bei dem Schild zum Hoffnungsfelsen von einem Jogger gesehen. Maria trug eine schwarze Hose, einen gelben Hoodie und weiße Nikeschuhe. Jasmin trug eine hellblaue Hose, einen roten Hoodie und rote Schuhe. Bei weiteren Anhaltspunkten oder Hinweisen rufen sie bitte bei der Polizei Bad Brathausen an.

Anmerkung der Autorin: Die genannten Orte, die Namen und sonstiges wurden frei erfunden. Die Geschichte wurde an einem Ereignis, das mir und einer Freundin passierte inspiriert, allerdings wurde es in der Geschichte sehr verändert und übertrieben dargestellt. Uns passierte in Realität nichts und es hatte auch nichts mit sogenannten Voodoo-Sachen zu tun. Nehmen wir zumindestens an.

FANTASY-SERIE von Jeannine Gill

  1. Das Mädchen mit den eisblauen Augen: Die Silhouette ihrer Albträume
  2. Der Hoffnungsfelsen

(Gestaltung: Andreas Bubrowski)

  1. © WMG; Downtown Music Publishing, LatinAutor, ARESA, UBEM, BMG Rights Management, ASCAP, EMI Music Publishing, BMI – Broadcast Music Inc., Abramus Digital, CMRRA, SOLAR Music Rights Management, LatinAutor – SonyATV und 18 musikalische Verwertungsgesellschaften
  2. s. Video von SHANTIGOLD