Von Anonymus1

35 tote deutsche Soldaten sind es schon, und mein Dad hätte einer von ihnen seien können. Wieso ausgerechnet mein Dad, hatte ich mir gedacht. Diese drei Monate, in denen er weg war, hatte ich nur einen Gedanken – wird er jemals wiederkommen?

xl_ehrenmalInschrift am Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin: „Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden, Recht und Freiheit.“ Foto: gemeinfrei

Ich war noch ein kleines Kind und wusste nicht richtig mit dem Gefühl umzugehen, dass ich vielleicht meinen Dad beim Abschied das letzte Mal gesehen hatte, doch ich glaubte und hoffte schwer, dass er wiederkommen würde.

Ist es richtig oder falsch?

Und er hatte noch einmal Glück gehabt, hat alles gut überstanden. Doch dann drehte sich alles und wieder sollte er zum Einsatz nach Afghanistan fahren. Noch mal weg, noch mal das Gefühl haben, dass er nicht wiederkommt. Das konnte ich und meine Familie nicht noch mal ertragen und so gab er seinen Job als Hauptmann auf.

Doch nicht jeder denkt so und jährlich fahren wieder viele Deutsche nach Afghanistan, um den Menschen dort zu helfen, aber auch, um ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Ist es richtig oder falsch? Einerseits hilft man den Menschen dort, andererseits kann es auch sein, dass man selbst dabei scheitert und letztendlich nicht mehr die Kraft hat weiter zu leben. Doch wieso fahren immer noch so viele deutsche Soldaten nach Afghanistan? Ist es der gute Wille den Menschen zu helfen? Ich denke ja.

Carlo Ljubek in TOD EINES FREUNDES hm.png aus der TV-Serie „Bloch“ 20092

Die meisten Soldaten denken wahrscheinlich so: Wenn sie sterben, haben sie immerhin mehr Menschen gerettet als verloren. Wir denken uns unseren Teil und die meisten von uns hätten Angst, ihre Familie zu verlassen und nach Afghanistan zu reisen, um dort den Menschen zu helfen. Ich finde, wir sollten zu unseren Soldaten aufsehen und ihnen danken, dass sie sich so für diese Menschen einsetzen.

Doch wieso ist Afghanistan so zerstört? Wieso müssen ausgerechnet deutsche Soldaten helfen? Sind die Leute dort so am Ende, dass sie ihr Land nicht alleine in den Griff bekommen? Ja, das sind sie. Sie liegen am Boden und die Krankenhäuser sind überfüllt. Wenn man das so hört, kommt man ins Grübeln und überlegt, wie man selbst mit einem kleinen Beitrag helfen kann. Man kann als Schüler nicht viel mehr tun, als seine Eltern darum zu bitten, etwas zu spenden oder ein Patenkind aufzunehmen. Traurig, aber wahr. Doch langsam bessert sich die Lage in Afghanistan und den Menschen kann geholfen werden. Ich hoffe, dass es diesem Land bald noch besser geht und nicht mehr Opfer gebracht werden müssen.

Sag mir, wo die Blumen sind

Anmerkung der Redaktion:
Das Mitwirken deutscher Soldaten am Krieg in Afghanistan dauert nun schon länger als der Zweite Weltkrieg. Zu verantworten hat den Kriegseinsatz die damalige rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder. Der gegenwärtige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung hat im August 2009 geäußert, der Kriegseinsatz, den er „robustes Mandat“ nennt, könne noch Jahrzehnte dauern. Der Bundeswehreinsatz wird laut Umfragen inzwischen von mehr als der Hälfte der Deutschen abgelehnt und selbst von Militärexperten als verfehlt bezeichnet. Die Behauptung, Afghanistan sei eine unmittelbare Terrorgefahr für Deutschland, ist zweifelhaft. Alle Terroranschläge in der EU nach dem 11. September 2001 wurden nicht von afghanischen Stammeskriegern, sondern von hier geborenen Nachfahren von Migranten oder einheimischen Konvertiten verübt. Trotz stetig erhöhter Militärpräsenz hat sich die Lage in Afghanistan und den angrenzenden Ländern verschlechtert. Die letzte Wahl gilt als Farce. Verfassungs- und völkerrechtlich ist der Kriegseinsatz umstritten.

  1. Die Autorin ist Schülerin unserer Schule. Sie hat, nach ihren Worten, für diesen Erfahrungsbericht die Zustimmung ihres Vaters. Zum Schutz der Privatsphäre wurde auf die Nennung von Namen verzichtet.
  2. Der zweite TV-Film der ARD, der die traumatischen Folgen des Kriegseinsatzes für Bundeswehrangehörige in Afghanistan thematisiert. Den ersten Film zum Thema, WILLKOMMEN ZU HAUSE (Regie: Andreas Senn) hat die ARD im Februar 2009 gesendet. Inzwischen wurden ALLE Video-Referenzen zum Film aus dem Internet entfernt. Auffällig: Generell ist der Filmtitel bei Google erstaunlich wenig referenziert. Beide Filme liegen als Privatmitschnitt auf DVD vor.