Es gilt allgemein als Zeichen wohlwollenden Interesses, wenn man einem Verehrer oder einer Verehrerin die eigene Handy-Nummer verrät. Und umgekehrt: Zu wem man keinen näheren Kontakt wünscht, vor dem hält man sich bedeckt und die Handy-Nummer streng geheim. Merkwürdigerweise erstreckt sich die Vorsicht kaum auf die Spuren, die jeder von uns im Netz hinterlässt. Da sind Alt und besonders Jung erstaunlich freizügig und arglos.

Copyright 2008 Andreas BubrowskiWird auch in zehn Jahren als FRÜHES SOZIALES ENGAGEMENT gelten – Bild über spielerisches Aufarbeiten von Aggression. Bild: Andreas Bubrowski

Dabei können sich lustige Partyfotos oder lockere Forumbeiträge nachträglich leicht als verhängnisvoll erweisen. Etwa wenn ein Personalchef vor einem Bewerbungsgespräch beim Googeln auf die längst vergessenen „Jugendsünden“ gestoßen ist. Risken und Nebenwirkungen der oft unbewussten Hinterlassenschaften im Web werden bislang unterschätzt

Googlability – virtueller Leumund

Wenn die Redaktion von CJD-UPDATE von einer Schülerparty berichtet, sind besonders Gruppenfotos mit Freunden beliebt. Viele der Fotos kommen aber für eine Veröffentlichung nicht in Frage, weil sie für die Betreffenden nachteilig wirken könnten. Private Seiten oder Foto-Foren sind da weniger wählerisch. Sind die Fotos mit Bilduntertiteln versehen, können die Crawler von auf Personalprofile spezialisierten Suchmaschinen – etwa MALTEGO hm.png oder STALKERATI hm.png – manch Vergessenes „ausgraben“ was einst als lustig empfunden wurde, Jahre später jedoch als peinlich gelten könnte.

Kandidaten, zu denen sich abfällige Kommentare über Mitschüler und Lehrer, Äußerungen extremer politischer Ansichten oder freimütiges Chatten über erotische Vorlieben oder Abneigungen finden lassen, gelten bei Personalern eher als zweite Wahl. Auch ein gröhlender Gesang beim Fußballclub in einem privaten Podcast und peinliche Videoclips bei YouTube von der drei Jahre zurückliegenden Silvesterparty werden gnadenlos aufgespürt und vermitteln nicht gerade das vorteilhafte Bild, das man von sich vermitteln möchte.

Die im Internet wissentlich oder unwissentlich hinterlassenen Spuren lassen sich auf Knopfdruck via Suchmaschine quasi zu einer zweiten – virtuellen – Identität extrahieren. Je nach Suchbegriff können dabei ganz unterschiedliche Lebensläufe entstehen. Der virtuelle Leumund hat auch einen Namen: Googlability. Nach einer Umfrage des BDU (Bund deutscher Unternehmens- berater) werden bereits heute fast 60 Prozent (!) aller Personalentscheidungen aufgrund von recherchierten Interneteinträgen entschieden. Engagierte redaktionelle Beiträge und wissenschaftliche Publikationen gelten dabei als besonders förderlich, zu Persönliches öffentlich gemacht dagegen als eher nachteilig.

Gefälligkeit für die eigene Karriere

Auf den Wanderungen durch die unergründlichen Weiten, Tiefen und Abgründe des Webs sollten besonders junge Leute ihrer Karriere zuliebe Achtsamkeit üben. Empfehlenswert sind das Formulieren überwiegend positiver Aussagen und Enthaltsamkeit bei der Äußerung von Kritik. Tunlichst sollte der eigene Name ungenannt bleiben. Doch auch phantasievolle Nicknames bieten nur einen brüchigen Schutz. Denn die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass doch ein Crawler eine Verknüpfung zum richtigen Namen aufspürt.

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Süddeutsche Zeitung: SPUREN WÄHREN EWIG