Politik & Gesellschaft, Schule

Gewaltprävention an Schulen: Vortrag von Christoph Rickels

Miteinander ist cool! Christoph Rickels im Kreis der Christophorusschüler. Foto: M. Moniac/CJD Oberurff

„Gewalt macht nur kaputt – mehr nicht“, sagt Christoph Rickels aus Kassel. Mit der Unterstützung prominenter Projektpaten hat er die Initiative First Togetherness gegründet, die Kindern und Jugendlichen die Folgen von Gewalt vor Augen führen soll. Mit einem von der Raiffeisenbank Borken Nordhessen finanziell unterstützten Vortrag über den Tag, der sein Leben veränderte, war er auch in der Christophorusschule Oberurff zu Gast.

Aus nichtigem Anlass vor einer Diskothek zusammengeschlagen

Denn der 31-Jährige weiß, wovon er spricht: Vor elf Jahren wurde er aus nichtigem Anlass vor einer Diskothek zusammengeschlagen, lag mit einer Hirnblutung vier Monate lang im Koma und entging nur knapp dem Tod. Heute ist er zu 80 Prozent schwerbehindert: Er ist halbseitig gelähmt, sprachbehindert und erwerbsunfähig, und seine Zukunftsaussichten sind alles andere als rosig.
Doch aufgeben kommt für Christoph nicht infrage. „Wir müssen etwas verändern, und wir müssen für unsere Ziele kämpfen“, erklärte er den gebannt lauschenden Schülern der Jahrgangsstufe neun. Das fange schon bei dem Begriff „cool“ an – jeder wolle dazugehören und eben cool sein, auch wenn er im Grunde seines Herzens eigentlich wisse, dass manches nicht richtig sei. „Heute weiß ich, wie dumm ich früher war.“
Christoph unterstellt dem Jungen, der ihn mit einem Schlag auf die Schläfe niederstreckte, nicht, dass er ihn umbringen wollte. „Trotzdem: In diesem einen Moment war alles kaputt.“
Der andere, dessen Tat im Überwachungsvideo festgehalten wurde, erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe. „Kann man das Strafe nennen?“, fragt sich Christoph, dessen sämtliche Hoffnungen und Pläne geplatzt sind.
Er lebt heute von 400 Euro Sozialhilfe und, was er als noch schlimmer empfindet, die meisten seiner Freunde von früher haben sich von ihm abgewandt.
Trotz allem ist er optimistisch. Durch das Präventionsprojekt wurden die Medien auf ihn aufmerksam, und er bekam in verschiedenen TV-Sendungen Gelegenheit, seine Lage darzustellen und für seine Überzeugungen zu plädieren. Er selber habe ja eigentlich noch Glück gehabt, sagt er und: „Man kann so verdammt viel bewegen, wenn man miteinander redet.“ MARISE MONIAC

(Gestaltung: BUB)

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