Cloud Computing ist eine Wortschöpfung, die Microsoft, Apple & Co. aufwendig als bahnbrechende Innovation vermarkten. Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei darum, Programme und persönliche Daten nicht mehr länger auf der Festplatte seines PCs abzulegen und je nach Bedarf zu benutzen, sondern stattdessen in den Weiten des Internets „auszulagern“ und wenn nötig abzurufen.

iPad 2. Foto: Apple
iPad 2. Foto: Apple

Vordergründig nicht von der Hand zu weisende Vorteile dabei: Man muss nicht mehr mit USB-Sticks und externen Festplatten hantieren, um Programme, Fotos, Texte und Musik manuell auf PC, Smart Phone und Laptop zu synchronisieren. Das übernimmt jetzt ein Cloud-Service. Datenschützer sehen in Cloud-Services jedoch eher einen Marketing-Hype, um die Souveränität von Internetnutzern in Bezug auf Datenhaltung und Datennutzung zu beschneiden und um an noch mehr individualisierte Datensätze heranzukommen.

Personenbezogene Daten von Schülern
ausschließlich über gesicherte Standleitungen

Aus Angst vor einem Hacker-Angriff auf Schülerdaten achten in Hessen alle Bildungspartner peinlichst darauf, dass personenbezogene Daten von Schülern und ihre Noten ausschließlich über gesicherte Standleitungen übertragen werden. Ein Datenleck oder das unautorisierte Auftauchen von Schülerinformationen in der Öffentlichkeit hätte einen katastrophalen Vertrauensverlust zur Folge.

Und privat? Kein Mensch käme auf die Idee, etwa seine Gehaltsab­rechnung, Steuererklärung oder die letzten Bankauszüge „irgendwo“ im öffentlichen Raum abzulegen. Am Bankschalter fordert zumeist eine Linie am Boden wartende Kunden auf, Abstand zu halten, aus Achtung vor der Privatsphäre des Vordermannes. Und wenn Persönliches intim wird, achten wir gar noch mehr auf Distanz und abgeschlossene Türen. Niemand würde ohne Not auf ein öffentliches WC gehen, nur um daheim Wasser zu sparen.

Zugegeben, das gelegentliche Synchronisieren von Daten und Programmen ist nicht besonders erfreulich. Aber eine bedrückende Last ist es auch nicht. Apple etwa preist seinen neuen „Wolken-Dienst“ iCloud damit, dass er „deine Daten speichert und drahtlos an jedes deiner Geräte pusht“. Klingt gut, ist aber nur halb wahr. Denn tatsächlich wird weitgehend reibungsfrei nur an Apple-Geräte „gepusht“. Der so selbstlos daher kommende Dienst dient erkennbar vor allem dem Zweck, Anwender langfristig an die teure Apple-Hardware zu binden. Aber auch bei der Software ist das Motiv offensichtlich: durch web-basierte Programme sollen Nutzer in geschlossene, proprietäre Dienste gezwungen werden, die früher oder später dann doch kostenpflichtige „Apps“ verlangen.

Daten sind heutzutage im wörtlichen Sinne Gold wert. Computernutzer, und dazu gehören auch Besitzer von internetfähigen Handys, sollten darauf achten, stets die Kontrolle über ihre Informationen zu behalten, statt sie in die Hände von Außenstehenden zu geben. Aus Gründen einer gewissen Bequemlichkeit einen Kontrollverlust bei Daten zuzulassen kann gefährlich werden. Ein Foto, Text oder Programm lässt sich auf dem eigenen PC leicht unwiederbringlich löschen. Im Zweifel wird die Festplatte formatiert. Ob das Löschen eines Fotos oder Textes in der Cloud auch tatsächlich zu einer vollständigen physikalischen Löschung führt, inklusive der Bewegungsdaten, also wann was hoch- und herun­tergeladen und wie benutzt wurde, darf bezweifelt werden. Cloud Computing bietet etwas Bequemlichkeit und nimmt ein Stück Souveränität.

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(*) Text/Bild: Andreas Bubrowski