Soiree
Beschwingt und mitreißend: Der Tanzstil „Shim Sham“ entstand Ende der 1920er Jahre.

Man wusste nicht ganz, was einen an diesem Abend erwartet. Immerhin war es für diese Schule bisher die erste „Soiree“, eine elegante Abendveranstaltung, deren Blütezeit eigentlich im 19. Jahrhundert verortet ist und nun im 21. Jahrhundert von der Oberstufe des CJD ausgerichtet wurde.

Der randvoll mit Publikum gefüllte Saal zeugte von dem regen Interesse, den die Anwesenden an diesem Anachronismus hegten. Man sah im Foyer junge Erwachsene in adretter Abendgarderobe, deren Wangen das Lampenfieber leicht gerötet hatte. Man plauderte vorfreudig über das bevorstehende Programm und betrachtete die imposante Portraitwand mit berühmten, weiblichen Persönlichkeiten aus dem Kunst-Leistungskurs oder die bemerkenswerten Gemälde von Leoni Homberger.

Die vorangehende Aufregung der Akteure machte sich für alle Beteiligten bezahlt, von der ersten bis zur letzten Minute: Stefanie Lomp und Marvin Fischer brillierten als Moderationsduo. Die beiden hatten von Beginn an ein Händchen dafür, das Publikum mit Witz und Charme durch das Programm zu geleiten. Dieses war vielfältig gespickt mit musischen Darbietungen.

Der angesprochene Kontrast zwischen altmodischer und gegenwärtiger Abendunterhaltung war offensichtlich das inoffizielle Thema des Abends, das von den ersten Beiträgen aufgegriffen wurde: Levke Wahden eröffnete stimmungsvoll den Abend mit dem Klavierstück „A Million Dreams“ aus dem Musical „The Greatest Showman“. Es folgten vom DSP-Kurs der E-Phase zwei lustige Variationen des Loriot-Sketches „Fernsehabend“, einmal klassisch mit schrottiger Röhre, einmal modern mit verweigertem Streaming-Zugang. Danach wurde ein mitreißend beschwingter Shim Sham, ein Tanz aus den 1920er Jahren, dargeboten. Zeitlich blieb man auch beim nächsten Programmpunkt, einem dramatisierten Romanauszug des „Kunstseidenen Mädchens“, in der Zwischenkriegszeit. Das Klavierstück „Sweet Hour of Prayer“, dargeboten von Smilla Bock, stimmte wieder versöhnlichere Töne an.

Atmosphärisch, düster und bedrückend waren eine theatrale Rezitation des Gedichtes „Der Rabe“, die Filmprojekte „Verloren im Wald“ sowie Kriegsfilmausschnitte, deren Tonspur mit Kriegstrauma-Lyrik unterlegt wurde.

Ausdrucksstark und progressiv war die Modern Dance-Gruppe, treibend und vorwärtsgewandt die Beiträge der Q-Phase des Darstellenden Spiels zum Thema „Fabrik“.

Maren Franke präsentierte am Flügel die gefühlbetonte Eigenkomposition „My Head in Notes“ und schloss mit einer brillanten, den Abend abrundenden Instrumentalversion des Queen-Songs „Bohemian Rhapsody“ das Programm.

Die Schlussworte, die Herr Gorka-Wenzel fand, konnten das gewaltige Ausmaß an Talent, das an diesem Abend dargeboten wurde, nur schwer zusammenfassen. Das Publikum verließ die Veranstaltung mit dem Ausblick, bei der ersten, von womöglich vielen weiteren, großartigen Soireen gewesen zu sein.

Text: Yannik Gorka-Wenzel | Bilder: Kilian Schloemp /CJD Oberurff