Schule

Deutschunterricht: Klasse 10a wagt eine Schulsatire

VON NOAH, RAPHAEL, CLAUDIUS (10A)

Schulsatiriker, 10a (2017-18)
Schulsatiriker, 10a. Foto: privat

Rechtshinweis: Die Personen und die Handlung der Schulsatire sind aus dem wahren Leben gegriffen. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen sind Absicht. Aber keine Sorge, alle sind quicklebendig und erfreuen sich bester Gesundheit.

Montagmorgen

1./2. Stunde

Die Stunde beginnt vielversprechend. Der Lehrer tritt in den Raum und ist sichtbar froher Gesinnung. Stolz schreitet er zur Tafel, klappt diese auf, und ein breites Spektrum an Referatsthemen sticht jedem Schüler ins Auge. In vielerlei Hinsicht ein genialer Schachzug des Lehrers. Auf diese Weise erhält er sowohl die Möglichkeit sich ungestört seinen Privatangelegenheiten zu widmen als auch sich über die neuesten Klassenbucheinträge zu amüsieren. Auch für die Schüler bringt diese Maßnahme nur Vorteile mit sich. Schließlich stellt dies die perfekte Vorbereitung für die Oberstufe dar. Während die Schüler eine halbe Stunde Zeit bekommen, um sich mit der anspruchsvollen Frage, welches Thema sie wählen, auseinandersetzen, trinkt der Lehrer genüsslich seinen Kaffee und fiebert dem Ende der Stunde entgegen. Nach weiteren Diskussionen sind endlich alle Themen vergeben und der Lehrer beschließt, die Schüler früher in die Pause zu lassen. Dies begründet er inoffiziell mit der guten Mitarbeit und den Anstrengungen, die eine zusätzliche Unterrichtseinheit für die Schüler bedeuteten würde. Im Großen und Ganzen ist der Lehrer sehr zufrieden, schließlich hat er alle Themen vergeben und sich dabei auf ein Minimum an Arbeitsaufwand beschränkt. Aber Lehrer haben es ja selber nicht leicht. Im Grunde besteht ihre Hauptaufgabe darin, die aufgebrachte Meute zumindest eine Unterrichtseinheit lang ruhig und bei Laune zu halten. Lag der Schlagstock in früheren Zeiten als körperliches Züchtigungsmittel stets griffbereit, muss der moderne Lehrer auf alternative Methoden setzen, um sich den Respekt seiner Schüler zu verschaffen. Dazu gehören vorzugsweise besänftigende Worte sowie der Erlass von Trinkpausen. Jedoch finden die herkömmlichen Methoden auch heute noch in abgewandelter Form Verwendung. Nur, dass man dann mit einer Anzeige wegen versuchten Totschlags rechnen muss.

Große Pause…

In der Cafeteria herrscht einmal mehr dichtes Gedränge. Fünftklässler und Lehrer gleicher Körpergröße haben es schwer, sich über Wasser zu halten.Viele befinden sich noch in tiefer Resignation, aufgrund des jüngsten skandallösen Vorfalls. Ging früher ein gefüllter Schokodonut noch mit einer Papiertüte über die Ladentheke, so wird heute einem nur noch eine gewöhnliche Serviette dazu gereicht. Was sich die Schulleitung dabei wohl gedacht hat? Immerhin hat das neue Schülersprecherteam vergangenen Monat die neue Duftbaum-Reform durch den Senat gebracht, indem mülltonnenartige Gebilde auf dem ganzen Schulgelände platziert wurden. Damit wurde auch gleichzeitig der Antrag zur Verschönerung von diesem erfüllt.

Pünktlich fünf Minuten zu spät betritt die Lehrkraft das Spielfeld und präsentiert sich somit als gutes Vorbild für seine Schützlinge.

3./4. Stunde

Die zweite Arbeit in diesem Halbjahr steht an und die Mehrzahl der Schüler brennt auf die Chance, ihren überragenden Intellekt auch schriftlich unter Beweis zu stellen. Pünktlich fünf Minuten zu spät betritt die Lehrkraft das Spielfeld und präsentiert sich somit als gutes Vorbild für seine Schützlinge. Kurioserweise finden sich an jedem Tisch je eine der herausragenden Persönlichkeiten, sowie eine aus der minder begabten Fraktion der Klasse zusammen. Anpfiff. Schon bald wandern die Arbeitsblätter hin und her. Die erste Großchance besteht in einem raffinierten Spickmanöver auf der linken Seite. Doch der Lehrer ist stets hellwach und lässt so manchen verzweifelten Schüler in die Abseitsfalle laufen. Als nach 90 Minuten immer noch keine Entscheidung gefallen ist, muss die Verlängerung über Wohl und Wehe urteilen. Als die Nachspielzeit endgültig verstrichen ist und auch der letzte Schüler seinen Stift hat fallen lassen, nähert sich dieses epochale Spiel dem Ende entgegen. Daraufhin verlässt die U-18 erschöpft und mit verstörten Mienen den Ort der Unterdrückung.

5./6. Stunde

Die Stunde beginnt vielversprechend. Der Lehrer wirkt bei der Suche des Raumes leicht desorientiert und muss einen unschuldigen Passanten des Weges fragen. Nach den damit verbundenen Strapazen erreicht er, in der Wohlfühloase Lehrerzimmer beheimatet, endlich den Klassenraum. Völlig verwirrt ist er ihm unbekannten Gestalten ausgesetzt. Nach einer halbstündigen Vorstellung seiner selbst, inklusive Verteilung der Plusliste, der ehrlichsten Art zur Überprüfung der mündlichen Mitarbeit, damit er sich nicht selbst um solche „Kleinigkeiten“ kümmern muss, kann mit der Notenbesprechung fortgefahren werden. Dabei ruft er einen Schüler nach dem anderen auf und macht sich somit zum ersten Mal mit der Namensliste vertraut. So manch einer wird vor Schreck aus seinem Winterschlaf gerissen. Längst hat sich herumgesprochen, dass eine herkömmliche Dartscheibe zu einer schnelleren Entscheidungsfindung führt. Inzwischen hat sich auch die Würfelfunktion des Iphones schon bewährt. Schließlich ertönt die Pausenklingel und sowohl Schüler als auch Lehrer werden von ihrem Leid befreit. Auf dem Nachhauseweg können die Schüler jetzt immer den Stolz der ganzen Schule bestaunen: Die Baustelle der neuen Turnhalle, welche früher als erwartet eingeweiht werden wird und nach eigenen Aussagen die architektonische Meisterleistung des BER noch übertreffen soll. Vielleicht werden sogar unsere Enkelkinder die Fertigstellung noch miterleben dürfen…

Schlussredaktion: Elena Röse (Deutschlehrerin)
Teaser/Gestaltung: Andreas Bubrowski (Onlineredaktion)

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