Sendetermin: NDR, Dienstag, 22.30 Uhr (45 min.)

Heutzutage Schüler zu sein, ist nicht leicht. Einfach seine Jugend leben, auch mal über die Stränge schlagen, bis es schlechte Noten oder Strafen hagelt, man Grenzen zu erkennen und anzuerkennen lernt. So einfach geht es heute nicht in jedem Fall.

Alles sicher? – Symbolbild. (*)

Denn wer heute über die Stränge schlägt oder rücksichtslos sein Ego in der Klassenmasse in Szene setzt, kann vor allem mit Förderplänen rechnen. Die Lauten und Schrillen einerseits und die Vereinzelten andererseits sind scheinbar klar im Vorteil. Defizite sind cool, kein Grund zur Zurückhaltung. Da kann es schon mal passieren, dass sich Einer auf eine Lehrkraft fixieren, sie verfolgen und belästigen kann – respektlos, rechthaberisch, anmaßend. Wenn das tödlich endet, wie bei Heike Block, dann weiß man wenigstens in diesem Fall nachträglich, dass man hätte etwas anders machen müssen.

Oberstufenschüler straft Lehrerin ab

Das NDR-Fernsehen sendet heute ein Dokumentation von Marianne Strauch über den 18. Dezember 2009, als der Oberstufenschüler Gero S. die Pädagogin Heike Block abstraft – mit mehr als 20 Messerstichen. Der Film ist auch ein lehrreiches Dossier über Stalking.

In der Dokumentation kommt auch der Rektor der Schule zu Wort. Ihm wurde im Zuge des Mordprozesses vorgeworfen, sich mehr um den fehlgeleiteten Schüler Gero S. als um die ambitionierte, aber verzweifelte Lehrerin Heike Block gekümmert zu haben (SPIEGEL online hm.png). Und wie war das mit den Kollegen? Haben die hingeschaut UND der bedrohten Kollegin beigestanden?

Natürlich sind Förderangebote für mutmaßlich benachteiligte Schüler ohne Alternative. Dazu gehört aber auch, Symptome dissozialen Verhaltens frühzeitig zu benennen und pädagogisch oder therapeutisch anzugehen, anstatt sie argumentativ weichzuspülen. In der Hoffnung, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Vermutlich hätte man so das Opfer vor dem Täter und den Täter vor sich selbst retten können.

Linksunten: 45 Minuten – Tod einer Lehrerin hm.png

(*) Text/Bild: Andreas Bubrowski