Von Johanna Helbig und Julia Wicker (Jahrgangsstufe 13)

Ohhh nein! Geschi-Exkursion! Na, das wird wohl total langweilig… Und dann auch noch nach Trutzhain! Wie sich das schon anhört!

Ehemaliges Lager TrutzhainBesuch in Trutzhain: Geschichte, die nachdenklich macht (Foto: privat)

Das kann ja nur was werden! Und das wurde es auch. Ein interessantes Erlebnis der etwas anderen Art.

Begrüßt wurden wir – der fast vollständige Grundkurs Geschichte bei Frau v. Urff – von Herrn Beckmann, einem ehemaligen Bundeswehrsoldaten aus Hamburg, dem man seinen breiten norddeutschen Akzent noch deutlich anhört. Er arbeitet mit sichtbarem Engagement als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Museum und führte uns zunächst in einen alten Barackenbau aus der Zeit des 2. Weltkrieges, der als Gedenkstätte und Museum umfunktioniert wurde.

Ehemaliges Lager TrutzhainHerr Beckmann, Mitarbeiter der
Gedenkstätte
(Foto: privat)

Zunächst machte uns Herr Beckmann die Lage Deutschlands in der Zeit während des und nach dem 2. Weltkrieg am Beispiel Trutzhains deutlich. Erstaunt waren wir über seine moderne technische Ausstattung mit Beamer und Zubehör und noch viel mehr über seine PowerPoint-Kenntnisse.

Trutzhain, so erfuhren wir, entstand während der NS-Zeit aus einem Stammlager (Stalag), in dem Kriegsgefangene hauptsächlich aus der Sowjetunion, Frankreich, Polen und Italien untergebracht waren. Nach Kriegsende (1945) funktionierten die amerikanischen Besatzungstruppen das Lager zum Internierungscamp um, insbesondere für ehemalige Befehlsempfänger der NS-Zeit.

Einige Jahre später fanden Displaced Persons, jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa auf der Durchreise nach Palästina, GB, USA, Kanada, Australien und Südamerika, eine zwischenzeitliche Unterkunft. Zuletzt wohnten deutsche Flüchtlinge und Vertriebene im Camp. 1951 gründeten sie die Gemeinde Trutzhain.

Um die Verhältnisse im Camp besser verstehen zu können, zeigte uns Herr Beckmann einen Film mit Ausschnitten von Zeitzeugenaussagen. Besonders deutlich wurde uns, wie unterschiedlich Gefangene aus der Sowjetunion und Frankreich behandelt worden waren. Es gab sogar innerhalb des Camps eine Art Ghetto, in dem sowjetische und italienische Kriegsgefangene um ihr Leben kämpften, während die Franzosen eine eigene Fußballmannschaft auf die Beine stellten und sich kulturell bei Theater und Schauspiel vergnügten. Sie gründeten sogar eine eigene Universität, an der man unvorstellbarerweise (!) mit einem Diplom abschließen konnte.

Am Schluss unserer Exkursion begaben wir uns auf demselben Weg, auf dem nur wenige Jahrzehnte zuvor zu Tode erschöpfte Soldaten wankten, in eine der Baracken, die damals als Unterkunft für viele diente. Wir betraten den Waschraum und ein Schauder überkam uns, als wir in den Schlafräumen uns bildlich vorstellen konnten, wie eingepfercht die Menschen früher dort gehaust haben mussten. Zu manchen Zeiten wurden die Baracken, die ursprünglich für bis zu 250 Personen ausgelegt waren, mit 800 Leuten belegt.

Doch sehr bewegt machten wir uns auf den Rückweg. Ehrlich gesagt, hatten wir zuvor nicht gedacht, dass diese Exkursion uns so nachdenklich stimmen würde…

Linksunten:

Gedenkstätte Trutzhain