Am 17. April 2026 durften wir an unserer Schule drei besondere Gäste begrüßen: Frau Susanne Schneider,
Managerin für Naturschutzprojekte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND/
Landesverband Hessen), Martin Häusling, Oberurffer Landwirt und Abgeordneter des Europaparlaments im Fachgebiet Agrarpolitik, und seine lokale Parlamentarische Assistentin Elena Martin gestalteten gemeinsam mit drei siebten Klassen einen spannenden und lehrreichen Wildkatzen-Projekttag.

Im Mittelpunkt stand die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) – eine faszinierende, in
Deutschland jedoch gefährdete Tierart, die unter strengem Schutz steht. In einem interaktiven Vortrag
erhielten die Schülerinnen und Schüler fundierte Einblicke in die Biologie der Wildkatze, ihren Lebensraum sowie ihre Bedürfnisse. Dabei wurde auch deutlich, warum die Art gefährdet ist: Der Verlust naturnaher Wälder durch intensive Forstwirtschaft nimmt der Wildkatze wichtige Rückzugsräume und Nahrungsquellen.

Hinzu kommt die zunehmende Zerschneidung der Landschaft durch Straßen, die insbesondere für junge
Tiere eine große Gefahr darstellt – der Straßenverkehr ist nach wie vor die häufigste Todesursache. Zudem
leben viele Populationen isoliert voneinander, was zu genetischer Verarmung, Inzucht und erhöhter
Krankheitsanfälligkeit führen kann. Auch die Hybridisierung mit Hauskatzen sowie Verwechslungen mit
verwilderten Hauskatzen stellen eine zunehmende Bedrohung dar.

Im Anschluss an den Vortrag unternahmen die drei Klassen eine Exkursion in ein nahegelegenes Waldgebiet bei Oberurff, an der auch die zuständige Försterin Leonie Söldner teilnahm. Im Rahmen einer praxisnahen Aufgabe erkundeten die Schülerinnen und Schüler den Wald aus der Perspektive der Wildkatze: Mit Flatterband markierten sie Strukturen, die für die Tiere wichtig sind – etwa Versteckmöglichkeiten und Rückzugsräume – sowie potenzielle Gefahrenquellen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf konkreten Schutzmaßnahmen. So wurde deutlich, dass die Vernetzung von Lebensräumen eine zentrale Rolle spielt: Projekte wie das „Rettungsnetz für die Wildkatze“ setzen auf sogenannte grüne Korridore, also Verbindungen aus Bäumen und Hecken, die isolierte Waldgebiete wieder miteinander verbinden. Auch Aufklärung ist entscheidend, etwa um Wildkatzen von Hauskatzen unterscheiden zu können (z. B. durch ihr blass-graues Fell, den kräftigen Körperbau und den buschigen, geringelten Schwanz). Ebenso wichtig ist ein verantwortungsvolles Verhalten im Wald: Scheinbar verlassene Jungtiere sollten nicht angefasst werden, da es sich meist um Wildkatzen handelt, die von ihren Elterntieren versorgt werden.

Der Wildkatzen-Projekttag bildet den Auftakt für eine weiterführende Auseinandersetzung mit diesem
wichtigen Thema. Im Rahmen der vor den Sommerferien stattfindenden Projektwoche sollen die
gewonnenen Erkenntnisse vertieft und praktisch umgesetzt werden, beispielsweise durch den Bau von
Überquerungshilfen, die Wildtieren sichere Wege durch menschlich geprägte Landschaften ermöglichen. In diesem Zusammenhang wurde auch thematisiert, dass insbesondere Zäune für viele Wildtiere – auch für die Wildkatze – eine ernsthafte Gefahr darstellen können, da sie Lebensräume zerschneiden oder zu tödlichen Fallen werden können. Der BUND weist darauf hin, wie wichtig geeignete Lösungen sind, um solche Barrieren zu überwinden (https://www.bund-hessen.de/pm/news/gefahrvolle-zaeune-fuer-wildkatzen/). Im Rahmen der Projektwoche ist daher geplant, sich auch praktisch mit möglichen Lösungen
auseinanderzusetzen und gegebenenfalls einfache Überquerungshilfen zu bauen. Darüber hinaus ist für das nächste Schuljahr eine AG geplant, in der interessierte Schülerinnen und Schüler kontinuierlich an Themen, die den Natur- und Artenschutz betreffen, arbeiten können. Die Ergebnisse und Lernprodukte aus diesen geplanten Projekten werden am 20. November auf der jährlich stattfindenden Waldtagung in Bad Zwesten präsentiert. Dort kommen Fachleute und Verantwortliche aus verschiedenen Bereichen zusammen, um sich über Maßnahmen zum Schutz des Waldes und der Wildkatze auszutauschen und Strategien für deren weitere Verbreitung zu entwickeln.

Der Wildkatzen-Projekttag hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, junge Menschen frühzeitig für den
Arten- und Naturschutz zu sensibilisieren und ihnen konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Denn nur durch gemeinsames Engagement kann es gelingen, den Lebensraum der Wildkatze zu sichern und ihren Bestand langfristig zu schützen.

Weitere Informationen zum Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ des BUND Naturschutz finden sich unter folgendem Link: https://www.bund-hessen.de/wildkatze/wildkatzenwaelder-von-morgen/.

Beteiligte Lehrpersonen: Raphaela Grimme, Lara Wessel und Martha Althaus
Text: Martha Althaus | Fotos: Martha Althaus und Raphaela Grimme/CJD Oberurff