VON JONAS KNUPP

Während die einen bei Arbeiten und Präsentationen mit zittrigen Händen zu kämpfen haben, stört andere dieses Phänomen hingegen reichlich wenig. Übung macht den Meister, heißt es dann immer. Und es muss ja auch nicht gleich der Weltmeister-Titel sein. Oder doch?

3. Platz für die Mannschaft - Svenja Berge (mitte) bei der Siegerehrung der deutschen Meisterschaft 2013.Foto: privat
3. Platz für die Mannschaft – Svenja Berge (mitte) bei der Siegerehrung der deutschen Meisterschaft 2013.
Foto: privat

Dass man jedenfalls mit einem ruhigen Händchen – und wohl viel Talent – sehr weit kommen kann, beweist Svenja Berge, baldige Abiturientin und bereits aktuelle deutsche Meisterin beim Sportschießen in der Disziplin Luftpistole. Die Oberurffer Schülerin konnte sich in München bei der diesjährigen Meisterschaft mit überragenden 375 Ringen durchsetzen.

„Ohne Fleiß keinen Preis“

Prüfungsangst in der Schule habe sie jedenfalls keine, erzählt sie. Ob das von Training und Wettkämpfen kommt: „Vielleicht.“ Mit so viel Erfolg dürfte die Schülerin jedoch anfangs selbst nicht gerechnet haben: „Als mein Vater früher schon beim Sportschießen aktiv war, fand ich das Ganze eigentlich doof. Mit elf Jahren bin ich dann mal zur Meisterschaft mitgekommen. Dort begann es schließlich, mich zu faszinieren, also habe ich auch damit angefangen. Das war 2006.“ Und ein Jahr später schoss sie dann bereits selbst bei der deutschen Meisterschaft.

Was anfangs vielleicht so einfach klingt, ist in Wirklichkeit mit harter Arbeit verbunden. Von Glückstreffern kann da wohl nicht die Rede sein: „Im Winter trainiert man seine Technik, während der Saison geht es dann mehr um die Leistung, also die Ringe“, erklärt Svenja. „Und zuhause mache ich beispielsweise Stabilisationsübungen und Haltetraining mit 2,5-Kilogramm-Gewichten.“ Ihre Meister­disziplin ist die Luftpistole, die freihändig in einer Entfernung von zehn Metern zum Ziel gehalten wird. Und es versteht sich: Wer mithalten will, sollte schon sehr nahe an den „10er-Kreis“ von 11,5 Millimetern Durchmesser kommen. So zumindest sieht bereits in der Juniorenklasse B (17 bis 18 Jahre) das Wettkampfniveau aus.

Ein Problem bemerkt Svenja jedoch in der Unbekanntheit ihres Hobbys: Entgegen verbreiteter Favoriten wie Fußball schwinden im Bereich des Sportschießens die aktiven Mitglieder und versierten Trainer. So musste sie bereits einmal ihren Verein wechseln. Der SV Kriftel dürfte sich darüber aber gefreut haben: 2011 erreichte Svenja nämlich bei der DM zusammen mit ihrer Mannschaft zwei Silbermedaillen. Dieses Jahr folgte für sie die erste internationale Medaille bei der ISCH (International Shooting Competition of Hannover) und schließlich sogar der Meistertitel ihrer Klasse.

Polizei statt Bio

Die typische Frage, wie es nach dem ABI weitergehen soll, hat sich für Svenja Berge wohl schon geklärt: Nach ihren zahlreichen Erfolgen hat sie es nun, und wohl sehr verdient, in die deutsche Nationalmannschaft geschafft. Im Januar nächsten Jahres stehen für die junge Sportlerin also erstmals sehr aufregende Qualifikationswettkämpfe an. Schafft sie es dort unter die besten drei, so darf sie im September nach Spanien reisen. 2014 findet nämlich dort in Granada die 51. Weltmeister­schaft der ISSF (International Shooting Sport Federation) statt. Aus dem früher einmal angedachten Biologie-Studium ist mittlerweile der Gedanke an eine vierjährige Polizeiausbildung bei der Sportfördergruppe geworden. Die Bewerbung dafür ist bereits verschickt. Und später will sie dann vielleicht zur Kriminalpolizei.