Ein Pakt ist manchmal so eine Sache… Abb.: gemeinfrei

Im öffentlichen Diskurs wird neuerdings wiederholt mit viel Pathos und im Unterton des „keinen Widerspruch Duldens“ der Begriff PAKT eingesetzt. Etwa der mit fünf Milliarden Euro Steuergeldern üppig bestückte „Digitalpakt“. Der dürfte vor allem Appel & Co freuen, dessen schleppende Hardware-Umsätze schließlich doch noch zulegen könnten, wenn man den Kindern in Deutschland Buch und Heft wegnehmen würde, um sie stattdessen mit Wisch-und-weg-Technik zu beglücken. Aber Bildungspraktiker wussten immer schon: Schreiben mit der Hand ist gut für das Gehirn. Daraus ließe sich folgern: Schreiben mit Wisch-und-weg eher nicht.

Digitalpakt: „Schreiben mit der Hand ist gut für das Gehirn“

Bislang galt es eher als eine präpubertäre Sache – „einen Pakt abzuschließen“. Jugendliche Cliquen schließen einen Pakt stets zusammenzuhalten. Frisch und erstmalig verliebte Teenager schwören sich in einem Pakt „ewige“ Treue… und so weiter. Dabei ist das Wort Pakt im Deutschen dank Goethes FAUST eher negativ konnotiert. Im sogenannten Weltpakt versucht der Hinkefuß den um jeden Preis wissbegierigen Ursachen- und Wahrheitsforscher Faust zu verführen, sein Diener zu werden. Schließlich erliegt Faust der Versuchung. Er wird Teil „von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ (V. 1336–1337). So geht Pakt bislang.


Der Digitalpakt zerrissen. Im ZDF! Von einem Lehrer! © Youtube/ZDF

Nun also „Digitalpakt“. Warum muss man eine simple Ausstattung von Klassenräumen mit zeitgemäßen Unterrichtsmitteln zum „Pakt“ stilisieren? Nimmt man das wörtlich: Wer paktiert hier mit wem und zu welchem Zweck genau für und gegegebenfalls gegen wen? Da kommt doch eine Ausgabe des Pädagogenmagazins BILDUNGSSPEZIAL aus 2018 gerade richtig. Hier getrauen sich Autoren auf eine eigentliche Binsenweisheit hinzuweisen: Schreiben mit der Hand ist gut für das Gehirn. Mein Gott – das weiß intuitiv doch jede Mutter und malt und (später) schreibt und rechnet daher mit ihren Kindern mit Stift und auf Papier. Was also soll das?

© Bildungsspezial 2/2018

Im Interview mit dem ZDF hat der auch bei CJD UPDATE bekannte Lehrer und Autor aus Wuppertal, Arne Ulbricht, die Thematik auf den Punkt gebracht:

Das Leben ist dermaßen digitalisiert, dass Schule auch eine Art Schutzraum darstellen sollte – VOR der Digitalisierung.

Schon ganz kleine Kinder wischen am Laptop herum.

Gewisse Kulturtechniken nicht verlernen.

Schreiben lernen, mit der Hand und mit dem Stift.

Man soll ganz normal malen lernen.

Je mehr iPads, je mehr Handys im Unterricht erlaubt werden, desto mehr vereinsamen die Kinder auch.

Dass der stinknormale Unterricht Digitalisierung braucht – das glaube ich nicht.

Man macht es sich als Lehrer auch gern einfach, wenn man ein Video zeigt, statt Unterricht zu halten.

Lehrer aus Fleisch und Blut kann mehr für Schule begeistern als irgendein Video.

Technik ist anfällig – was man auch mit 20 Milliarden nicht lösen kann.

Super tolle Lernvideos – enden im Spielen von (Fortnite) & Co.

Nicht alles aufgeben, was jahrzehntelang funktioniert hat

Früher war nicht alle besser. Aber früher war auch nicht alles schlechter.

ANDREAS BUBROWSKI