Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) hat in ganz Deutschland einen guten Ruf für seine richtungsweisenden Aussagen in Sachen Datenschutz – für Benutzer im Sinne einer Empfehlung zum Selbstschutz, für Anbieter oft als Forderung nach Unterlassung. Jetzt ist der allseits bekannte und häufig angeklickte Facebook-Button „Gefällt mir“ in das Visier des ULD geraten.

Allgemein Zeichen für alles bestens. Bei Facebook setzt es einen Daten-Vampirismus in Gang. (*)

Der Gefällt-mir-Button erweist sich bei genauerer Betrachtung als eine Art unersättlicher Daten-Vampir. Wer ihn anklickt, gibt automatisch seine gesamten im Browser gespeicherten Verkehrdaten frei – auch dann wenn man selbst bei Facebook gar nicht Mitglied ist. Unternehmen, die mit dem Facebook-Button um Zustimmung werben, sollen deshalb nach dem Willen des ULD zukünftig bis zu 50.000 Euro Bußgeld zahlen.

Maus weg vom Gefällt-mir-Button

Etwa ab der neunten Klasse beginnen Online-Netzwerke wie SchülerVZ für Schüler zum Kinderkram zu werden. Jetzt wird zu Facebook gewechselt. Im Gesprächen mit Schülern wird immer wieder deutlich, dass nur wenige dabei mit den Fallstricken des Datenschutzes vertraut sind. Zwar hat sich inzwischen herumgesprochen, dass man mit Veröffentlichungen von Fotos und Videos vorsichtig sein muss. Doch dass selbst ein simpler Klick auf den Gefällt-mir-Button riskant werden kann, erzeugt allgemeine Verwunderung, wenn man Schüler darauf anspricht.

Welchen „vampirisierenden“ Algorithmus der harmlos aussehende Gefällt-mir-Button auslöst, ist selbst unter IT-Experten umstritten. Facebook selbst gibt sich arglos. Man könne die Aufregung der empfindlichen Deutschen nicht verstehen, so in etwa die Reaktion auf die Forderung des ULD nach Abschaffung des Buttons auf Firmen-Webseiten. Tatsache ist, dass der Klick auf den hinter dem Gefällt-mir-Button liegenden Link dazu führt, dass ALLE verfügbaren Bewegungsdaten aus den temporären Dateien des Browsers „herausgesaugt“ und auf einen US-amerikanischen Server übertragen werden, wo man sie nach allen Regeln der Datenbank-Kunst zu werbewirksamen Personenprofilen verdichtet. Es gibt keine rechtsverbindlichen Aussagen darüber,

  • wie lange die Daten dort gespeichert bleiben,
  • wer noch so alles darauf Zugriff hat und
  • was genau mit den Profilen passiert.

Für den medienkompetenten Internet-Nutzer gibt es daher nur eine Konsequenz: Maus weg vom Gefällt-mir-Button. Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen ergibt sich die akute Notwendigkeit einer rechtswirksamen Einbindung des Like-Buttons1. Im Moment kann das nur ein klickbares grafisches Element OHNE Funktionalität sein. Erst beim Klick auf die Grafik wird der eigentliche Gefällt-mir-Button zugänglich. Nutzerdaten werden dadurch nicht per se an Facebook übertragen. Der Benutzer muss die Übertragung bewusst aktivieren, nachdem er die Möglichkeit hatte, die entsprechenden Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis zu nehmen.

(*) Text/Bild: Andreas Bubrowski

  1. Original-Bezeichnung