Von Stephen Corsham (Vater eines Schülers der Jahrgangsstufe 6)

teaser_nonsens.jpgNonsens im Alltag
(Bild: Andreas Bubrowski)

Obituaries: Mr Common Sense (* D.O.B. unknown – + some time this century or last).

Today we mourn the passing of a beloved old friend, someone very near and dear to our parents and grandparents: Common Sense. Until his untimely demise, he had been with us for many years, although no-one is absolutely certain how old he really was, as his birth records have long since been lost in bureaucratic red tape. He will be remembered as having cultivated such valuable lessons as knowing when to come in out of the rain, why the early bird gets the worm, that life isn’t always fair, and that – sometimes – you yourself are to blame. Common Sense lived by simple, sound financial policies (don’t spend more than you earn) and reliable parenting strategies (adults, not children are in charge).

His health began to deteriorate rapidly when well-intentioned, but overbearing regulations were introduced. Reports of a six-year-old boy charged with sexual harassment for kissing a classmate, teenagers suspended from school for using mouthwash after lunch, and a teacher fired for reprimanding an unruly student could only worsen his condition.

Common Sense’s health began to deteriorate when parents attacked teachers for doing the job they themselves had failed to do – disciplining their unruly children. It declined even further when schools were required to get parental consent to administer Aspirin, sun lotion or a bandage to a student, but could not inform the parents when a student became pregnant and wanted to have an abortion.

Common Sense began to lose his will to live after the Ten Commandments became contraband, churches became businesses, and criminals received better treatment than their victims. Common Sense took a severe beating when it became a criminal offence to defend yourself from a burglar in your own home, and the burglar can sue you for assault.

Common Sense finally gave up the will to live after a woman failed to realize that a steaming cup of coffee was hot. She spilled a little in her lap, and was promptly awarded a huge settlement.

Common Sense was preceded in death by his parents, Truth and Trust; his wife, Discretion; his daughter, Responsibility; and his son, Reason. He is survived by three stepbrothers; I Know my Rights, Someone Else is to Blame, and I’m a Victim.

Not many attended his funeral because so few realized he was gone. If you still remember him, pass this on. If not, join the majority and do nothing.

Anon.

Übersetzung

Nachruf:

G. Sunder Menschen-Verstand
Geb.: Nicht bekannt – gest.: Irgendwann Ende 20. Jh. / Anfang 21. Jh.

Wir trauern heute um einen innig geliebten alten Freund, den unsere Eltern und Großeltern in höchstem Maße schätzten: G. Sunder Menschen-Verstand. Er war uns bis zu seinem viel zu frühen Ableben immer ein treuer Weggefährte. Sein genaues Alter ist leider unbekannt, da die Geburtsurkunde und alle anderen Unterlagen des Verstorbenen vor langer Zeit im Sumpf der Bürokratie verloren gingen. Er wird uns stets in Erinnerung bleiben, denn er war für sein tiefe und liebevoll gepflegte Weisheit, Selbstkritik und Einsicht bekannt. Er wusste stets, wann es Zeit war, den Aufenthalt im Freien bei Gewitter zu beenden; ihm war gleichermaßen klar, warum Morgenstund’ tatsächlich Gold im Mund hat; dank seines besonderen Scharfsinns ist ihm nicht entgangen, dass es im Leben in Wirklichkeit nicht immer gerecht zugeht oder dass jeder von uns manchmal wirklich selber Schuld ist.

G. Sunder Menschen-Verstand lebte nach einfachen, aber grundsoliden finanziellen Prinzipien (Deine Ausgaben sollen nie deine Einnahmen übersteigern) und altbewährten elterlichen Grundsätzen (Die Erwachsenen haben das Sagen, nicht die Kinder).

Nach der Einführung gewisser gut gemeinter, aber entmündigender Vorschriften begann die unaufhaltsame Verschlechterung der Gesundheit des Verblichenen. Sein Zustand wurde zunehmend schlechter, als er von Vorfällen wie den nachfolgenden erfuhr: ein sechsjähriger Junge wurde wegen sexueller Belästigung angeklagt, weil er eine Klassenkameradin geküsst hatte; einige Jugendliche wurden von der Schule suspendiert, weil sie nach dem Mittagessen Mundwasser benutzt hatten, und ein Lehrer wurde entlassen, weil er einen unbotmäßigen und undisziplinierten Schüler gerügt hatte.

G. Sunder Menschen-Verstands gesundheitliche Talfahrt beschleunigte sich, als Eltern die Lehrer ihrer Kinder angriffen, weil die Lehrer es gewagt hatten, die Aufgabe nachzuholen, die Eltern selber versäumt hatten – ihre disziplinlosen Kinder zur Räson zu bringen. Die Krankheit schritt weiter voran, als verfügt wurde, dass die Schulleitung erst das elterliche Einverständnis einholen muss, bevor den Kindern in der Schule eine Aspirintablette, Sonnencreme oder ein Heftpflaster verabreicht wird, wohingegen der Schule verboten wurde, im Falle einer schwanger gewordenen, abtreibungswilligen Schülerin die Eltern zu informieren.

Der Lebenswille unseres Freundes fing an, immer schneller zu schwinden, da die Zehn Gebote zu Hehlerware verkam, aus Kirchen Geschäftsunternehmen wurden und Kriminelle eine bessere Behandlung als ihre Opfer genossen. G. Sunder Menschen-Verstand wurde sogar tätlich angegriffen, als derjenige, der sich im eigenen Haus gegen einen Einbrecher zur Wehr setzt zum Verbrecher wurde, den ebendieser Einbrecher sogar wegen Körperverletzung auf Schmerzensgeld verklagen darf.

Unser Freund wollte schließlich nicht mehr leben, als bekannt wurde, dass eine Frau, die nicht mitbekommen hatte, dass eine dampfende Tasse Kaffee heiß war, versehentlich ein paar Tropfen davon in ihren Schoß schüttete, sich verbrühte und prompt eine riesige Entschädigung zugesprochen bekam.

G. Sunder Menschen-Verstand verstarb nach seinen Eltern, Wahrheit und Vertrauen; seiner Frau, Diskretion; seiner Tochter, Verantwortungsbewusstsein, sowie seinem Sohn, Vernunft. Seine drei Stiefbrüder Ich-Kenne-Meine Rechte, Jemand-Anders-Ist-Schuld sowie Ich-Bin-Ein-Opfer erfreuen sich jedoch immer noch bester Gesundheit.

Sehr wenige Trauergäste kamen zu seiner Beerdigung, da kaum jemand sein Ableben bemerkt hatte. Wer sich noch an ihn erinnert, möge diesen Nachruf bitte weitergeben. Falls nicht, möge er sich der Mehrheit anschließen und nichts unternehmen.

Verfasser: unbekannt

Anmerkung der Redaktion:

Der Beitrag ist als nachdenklich machende :? Glosse zu generellen gesellschaftlichen Phänomenen zu verstehen. Nicht etwa als Bericht aus Oberurff [-X.