ERINNERUNG AN DEN EHEMALIGEN TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT, BASIEREND AUF DEN 17. JUNI 1953

Wortgewaltige Demagogen, die das Volk nach ihrer Pfeife hüpfen lassen. Wer widerspricht, wird terrorisiert. DDR 1949-89.
Foto (Screenshot): MDR 2003.

Montag schulfrei – gute Gelegenheit für eine Spielfilmabend. Etwa mit TAGE DES STURMS. Der Fernsehfilm aus 2003 zeigt das Drama einer ostdeutschen Familie, die rund um den 17. Juni 1953, dem Tag des „Volksaufstandes“ gegen das sozialistische SED-Unrechtssystem, in den destruktiven Strudel des Gesinnungsterrors der selbst ernannten „Weltverbesserer“ gerät.

Gesinnungsterror: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“

Bis zu seiner Abschaffung nach dem Anschluss der zuvor implodierten DDR an das Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland war der 17. Juni in Westdeutschland Feiertag, der Tag der Deutschen Einheit. Inzwischen ist die Deutsche Einheit in zweiter Generation selbstverständlicher Alltag. Das historische Ereignis 17. Juni 1953 droht ins kollektive Vergessen zu versinken. Wozu auch etwas gedenken, der Teilung Deutschlands in eine von den westlichen Alliierten „geschenkte“ Demokratie und einer sozialistischen Diktatur auf der Basis sowjetischer Panzer, das sich mit der Wiedervereinigung erledigt hat.

Heimat einiges Deutschland

Paul van Dyk & Peter Heppner – Wir Sind Wir

Vor allem unsere gerade aus Berlin zurückgekehrten Zehntklässler dürften den Film mit einem mehr gegenwärtigen Blick aufnehmen. Haben sie doch bei der einwöchigen Berlin-Tour die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besucht und sich von einem anerkannten Opfer des SED-Unrechtssystems, das dort selbst inhaftiert war, erklären lassen, wie das Leben in der Gesinnungs-Diktatur so war. Vor allem, wenn man kein Mitläufer war und auf seinem Recht auf selbstbewusstes Denken und freie Meinungsäußerung bestand. Man landete im Zuchthaus und wurde gegen Devisen an den Westen verkauft – im harmlosen Fall.


Die Story: Der vergessene Aufstand vom 17. Juni 1953 | Kontrovers | BR Fernsehen

Doch noch etwas schwingt im Film an Aktualität mit: Sätze wie, „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ (und wer gegen uns ist, wird terrorisiert, wird öffentlich diffamiert und landet, wenn er Pech hat, im Knast. Wie Claudia, die ein von Provokateuren abgerissenes Plakat der SED vom Bahnsteig entfernt, weil Leute darüber stolpern und sich verletzen könnten – und bekommt als schwangere junge Frau dafür gnadenlos dreieinhalb Jahre Zuchthaus.) „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“… kommt einem das nicht bekannt vor? Laufen nicht auch heute „coole“ Wortführer herum, die ähnlich Lockendes äußern? Die keinen Widerspruch dulden? Die Andersdenkende bedrohen? Wohin es führen kann, wenn anmaßende, realitätsferne Weltrettungs-Ideologen sich zur Staatsmacht erheben können – das haben 40 harte Jahre lang Ostdeutsche erfahren müssen. TAGES DES STURMS gibt einen Rückblick, der inzwischen durchaus als Warnung für die Zukunft verstanden werden kann. ANDREAS BUBROWSKI

ARD-Mediathek, verfügbar bis 15.09.2019, 23.45 Uhr: TAGE DES STURMS