Politik & Gesellschaft

Toleranz: „Nur ein Rindvieh ist nur tolerant“

Gerhard Polt – Toleranz

Zitat: „Nur ein Rindvieh ist nur tolerant. Ich muss doch irgendwann im Leben auch mal NEIN sagen können.“ Meint Gerhard Polt, bayerisches Satire-Urgestein, das ernst? Nee, ist ja Satire. Oder doch, weil der Begriff „Toleranz“ im realen Leben zur Satire verkommen ist, oft vor allem dazu benutzt wird, unliebsame, andere Meinung autoritär abzuwehren? Und das schon 2012?

Unter- und Mittelstufe: ausgeprägtes Unrechtsempfinden

Ein Schulbetrieb kann ohne verbindliche Regeln nicht zweckgemäß funktionieren. Daher hat sich das CJD Oberurff eine eigene Schulordnung gegeben. Die Regeln der Schulordnung legen fest, was der einzelne tun darf, aber auch, was er ausdrücklich NICHT tun darf. Zum Beispiel darf man im CJD Oberurff von 8.00 Uhr bis 13.10 Uhr kein Mobiltelefon benutzen, es sei denn, es gibt einen konkreten Unterrichtsbezug, einen Notfall oder eine Ausnahmegenehmigung. Ansonsten gilt: keine Toleranz – alo NEIN.

Wenn Regeln von der Gemeinschaft nicht geachtet werden oder eine Ahndung von Regelverstößen nicht stattfindet, dann kann sich das Miteinander schwierig gestalten. Zum Beispiel haben Austauschschüler berichtet, in ihrem Gastland würden sich am Zebrastreifen Autofahrer nicht um wartende Fußgänger scheren, sondern eher noch beschleunigen – hier wird die Rücksichtslosigkeit toleriert. In Deutschland kann mancherorts Ladendiebstahl nicht mehr zur Anzeige gebracht werden, weil zu viel geklaut wird – hier wird die Kleinkriminalität toleriert. Toleranz in einem weiteren gesellschaftlichen Sinne zu analysieren, dürfte vor allem Oberstufenschülern vorbehalten bleiben. Aber man unterschätze unsere „Kleinen“ nicht. Die haben bereits ein ausgeprägtes Unrechstempfinden und oft konkrete Vorstellungen darüber, wo Toleranz anfängt und wo aufhört.

Der Sketch von Gerhard Polt hat jahrgangsstufenübergreifend das Zeug, nachdenklich zu machen und Diskussionen anzustoßen. ANDREAS BUBROWSKI

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