Politik & Gesellschaft, Schule

Löwenhaltung: Niemals aufgeben (Never Give Up)

HALBJAHRESZEUGNISSE


LION – offizieller Trailer zur deutschen Version

Stellt euch vor, ihr steigt nach einem anstrengenden Schultag in den Schulbus nach Fritzlar, schlaft erschöpft ein und wacht 1’500 Kilometer entfernt – etwa mitten in Neapel – wieder auf. Nehmen wir weiter an, da ihr so klein (oder wohl behütet) seid, wisst ihr weder euren Familiennamen noch euren genauen Wohnort, habt also keine Ahnung, wie ihr wieder zurückkommen sollt. Plötzlich heißt es, sich als bettelndes Straßenkind in Neapel über Wasser zu halten.

Niemals aufgeben: Plötzlich ganz allein in der Großstadt Kalkutta

So etwa ergeht es dem fünfjährigen indischen Jungen Saroo (Sunny Pawar) im australischen Filmdrama LION (Lion: Der lange Weg nach Hause) von Regisseur Garth Davis aus dem Jahr 2016. Er geht mehr als tausend Meilen von seinem Zuhause entfernt verloren, findet sich plötzlich ganz allein in der Großstadt Kalkutta wieder. Saroo wird 20 Jahre brauchen, um seine Familie wieder zu finden. Das Leid über die abrupte Trennung von seinen Lieben und die zehrende Sehsucht nach ihnen lässt in dem kleinen Saroo eine Löwenhaltung wachsen. Sein Motto zukünftig: Niemals aufgeben (Never Give Up)

Kalkutta, offiziell Kolkata1

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Hauptstadt des Bundesstaates Westbengalen in Indien; 4,5 Millionen Einwohner – siebtgrößte Stadt Indiens.

Szenenwechsel. Schüler haben es in Oberurff manchmal nicht leicht. Zum Beispiel werden sie von Lehrern „gezwungen“, in den Pausen auf dem parkähnlichen Schulgelände in „eisiger Kälte“ um den Gefrierpunkt auszuharren. Das ist zwar gesund und schreibt daher die Schulordnung vor – egal. Und die Schulbusse erst – voll, laut, eng, manchmal zu spät. Aktuell nun auch noch Halbjahreszeugnisse. Zwar meistens Grund zur Freude. Hier und da aber auch Anlass für bittere Tränen. Manchmal kann es helfen, eigenes persönliches Leid – etwa einen Fünfer im Zeugnis – oder auch Einbuße bei gewohnter Bequemlichkeit, dadurch zu relativieren, also die entsprechend drückende Last zu erleichtern, indem man sich das Leid anderer anderswo vor Augen führt. Noch hilfreicher aber ist es, wenn man Geschichten von solchen Menschen lauscht, wie sie trotz allen Leids und aller Widrigkeiten eine tapfere Löwenhaltung kultivieren: Niemals aufgeben (Never Give Up).


Sia’s song Never Give Up produces by Greg Kurstin.

Das Filmdrama Lion: Der lange Weg nach Hause ist so eine Geschichte. Beim Schauen werden vermutlich nicht nur die Sorgen über ungünstige Zeugnisnoten kleiner werden, es könnte sogar dazu kommen, dass man SELBST wie Saroo werden will, also Löwenhaltung einnehmen, nicht aufgeben und das Beste aus der Situation machen. Der Film basiert auf dem Roman A Long Way Home von Saroo Brierley (2014), in dem der Autor seine eigene Lebensgeschichte niederschreibt. Im Rahmen der Oscarverleihung 2017 erhielt LION in sechs Kategorien eine Nominierung, darunter als Bester Film und für Bestes adaptiertes Drehbuch.

LION ist aber auch ein SOZIALES PORJEKT. Über 80’000 Kinder gehen jährliche in Indien „verloren“. Sie träumen noch nicht einmal von einem parkähnlichen Campus und gut temperierten Schulpavillons oder verspäteten Schulbussen – alles unerreichbar für sie. Unter der Schirmherrschaft der Hauptdarsteller Dev Palel und Nicole Kidman wurde im Zuge der Filmveröffentlichung in Zusammenarbeit mit indischen Kinderhilfsorganisationen ein Spendenprojekt initiiert. In knapp drei Wochen ist Deutschland-Premiere. ANDREAS BUBROWSKI

Lion: Der lange Weg nach Hause

Starttermin: 23. Februar 2017 (1 Std. 59 Min.)
Regie: Garth Davis
Schauspieler: Dev Patel, Rooney Mara, Nicole Kidman
Genre: Biografie, Drama, Abenteuer
Nationalität: USA, Australien, Großbritannien
Altersfreigabe: FSK 122

Linksunten
LION – offizielle Webseite (mit Kinosuche)
LION – bei iTunes3

  1. bengalisch: কলকাতা, Kalkātā
  2. Also ideal für einen gemeinsamen Kinobesuch ab Klasse 5.
  3. Vorbestellung; 13,99 Euro

Kommentare

  1. Wir, die Klassen 5 und 6, waren mit Hr. Bubrowski und unseren Klassenlehrern in dem Film… ich fande den Film traurig, weil ich es mir nicht vorstellen kann/möchte ganz allein in einer fremden Stadt ohne Sprachkenntnisse, ohne Freunde/Familie und ohne Geld zu leben… :cry: aber ich fande es schön als er seine Mutter nach einer Ewigkeit wieder gefunden hat… :yahoo: