1, 2, 3, 10 – als chinesische Schriftzeichen mehr als nur Zahlen

Von Aspasia (Schülerin Gymasium Christophorusschule Oberurff)

– eins.

Als Schriftzeichen stellt die Zahl 1 mehr als 1.000 Dinge dar. Das ist manchmal der Himmel und manchmal der Horizont. Das symbolisiert auch die Einheit, aber auch den Ursprung aller Wesen und allen Seins. Im Taoismus aber steht es für das Absolute. Das Piktogramm (rechts) zeigt eine große Hand mit ihrem lang ausgestreckten Zeigefinger. Deshalb steht der Strich (das Schriftzeichen) auch so waagerecht.

Piktogramme auf einem Orakel-
knochen – einer der Ursprünge der
chinesischen Schrift.

Foto: Kowloonese on en.wikipedia

In vielen verschiedenen Zusam­men­setzungen nimmt dieses Zeichen unterschiedliche Posi­tionen ein und wird dadurch vielfältig sinngebend. Im Zeichen Regen stellt der waagerechte Strich oben am Zeichen den Himmel dar, an dem eine Wolke hängt. Im Zeichen Sonne 太阳 wird er zum Horizont, über dem sie aufgeht, hin zur „Morgen­dämme­rung“. Im Zeichen Himmel umfasst dieser eine Strich alles, was über den Menschen ist, und beinhaltet auch die Idee des guten Schutzes. Zu Füßen einer menschlichen und lebenden Figur wird er zu „fest, aufrecht und sicher“. Im Inneren einer schönen zweiflügligen Tür ist der „Riegel“ und der versperrt den Eingang.

Mensch mit zwei Herzen – ist unehrlich

Die 1 ist ja das Symbol vom Himmel, also ist die 2 das Symbol von dieser Erde. Das Piktogramm (èr) zeigt lediglich zwei parallele Striche, die verschiedenen interpretiert werden können:

  1. Als Zeichen auf dem Sand,
  2. Kerben an einem Stück Holz,
  3. Striche einer Nummerierung,
  4. ein Verzeichnis oder auch
  5. Zeitabschnitte.

Dieses Zeichen ist gleichzeitig auch das Symbol von yin und yang, das ist das dualistische Prinzip der chinesischen Kosmologie, des Männlichen und des Weiblichen. Ein Radikal mit dem vereinfachten „Menschen“ verbunden, bedeutet „Wohlwollen, Toleranz, Freundschaft und die Symphatie“ – fundamentale Tugenden des Konfuzianismus. Es steht aber nun im Zwischenraum der Radikale „Mund“, „der Mensch“ und „die Hand“. Bei letzterem ist wohl „eifrig“ und „mit einem guten Willen“ gemeint! Ein weiteres Beispiel für die Verwendung des Radikals für 2 ist das Musik­instrument Erhu 二胡, eine Violine mit zwei Saiten am langen Hals und zylindrischen und mit einer Schlangenhaut bezogenem Kasten. Hat ein Mensch aber etwa zwei Herzen, dann ist dieser sozusagen „im doppelten Sinne“, also unehrlich, ein Zustand, der in unserem Kulturkreis allgemein als doppelzüngig oder jemand mit zwei Gesichtern beschrieben wird.

Taiji, Symbol für „individuelles“ Yin und Yang. Abb. gemeinfrei

Das Symbol für die Zahl 3 (sān) ist die Triade Himmel-Erde-Mensch; den Menschen; den drei Lehren, den Konfuzianismus, den Taoismus und dem Buddhismus. Der Drei Zeichen Klassiker 三字經 war früher das erste Lehrbuch chinesischer Schüler.

Eine Erhu. Foto: gemeinfrei

In der vorzeitlichen Strichdarstellung schrieb man die 10 mit einem einfachen senkrechten Strich. Später wurden die Zeichen 1 und 10 zu einem Kreuz vereinigt (shí), daß nun alle Werte von 1 bis 10 umfasste. Hinzu kamen noch die Begriffe zwei Dimensionen und die Himmelsrichtungen, von denen es bei den Chinesen fünf gibt. Der zehnte Monat ist natürlich unser Oktober. Aber im chinesischen Kalender haben die Monate dort keine Namen, sondern eine fortlaufende Nummer. Die 10 und die 1, durch einen Punkt getrennt, symbolisiert den „guten 1. Oktober“, den chinesischen Nationalfeiertag und erinnert an die Gründung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949.

10 und der Fuß heißt nun 100 Prozent, wobei der Fuß in Großen und Ganzen im Sinne von vollständig und die 10 im Sinne von allem benutzt wird. Mit dem viel vereinfachtem Zeichen sprechen bildet der Radikal das Wort rechnen (), denn wer von eins bis zehn zählen kann, der kann auch rechnen! Also kann meine kleine Schwester auch rechnen!

Gestaltung: Andreas Bubrowski

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Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken | Zuletzt aktualisiert: 29.01.2012, 17:55 Uhr


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